Ich, Yvonne, übernehme mal wieder für eine Weile die Redaktion unseres Reisetagebuchs. Ich kam ja am Montag gegen halb sechs abends auf Madeira an. Unser Pilot kündigte im Flugzeug bereits „einen der spektakulärsten Anflüge, den Sie in Europa erleben können“ an. Und das glaube ich gern. Wir flogen zuerst südwärts knapp an der Insel vorbei (und über unsere Marina drüber), drehten dann in den Queranflug nach rechts, genau auf die steilen Berghänge zu und kurz vor man dachte, gleich knallts, drehte der Pilot weiter in den Endanflug. Dabei konnte man aus dem Flugzeugfenster die Häuser am Hang gleich „nebenan“ sehen. Ein skuriller Anblick, den man so nicht gewöhnt ist.
Mit im Flugzeug saß übrigens unsere Freundin und Mitseglerin Maria, die dieses Mal allerdings nicht zum Segeln kam, sondern eine Bekannte auf Madeira besucht.
In der Marina angekommen, ließen wir den Abend gemütlich ausklingen. Geplant war, Hähnchencurry zu kochen und danach in der Hafenkneipe einen Abschiedsdrink mit Toni und Alexander zu trinken. Leider war das Hähnchenfleisch nicht mehr so ganz fit, daher gings um neun Uhr dann doch zum Essen in die Kneipe, wo wir gerade noch Tostadas bekamen, Toastscheiben mit Käse und Schinken bzw. Tunfisch. Der Koch hatte schon Feierabend. Aber auf alle Fälle gab´s Sangria, also alles bestens.
Der Dienstag Vormittag verging mit Büroarbeit, Tagebuch Schreiben, Telefonaten und Mails. In dieser Marina reicht das WLAN zwar auch nicht bis aufs Boot, aber es gibt immerhin einen WLAN-Raum mit Sofas, Tischen und Stühlen. Man muss also nicht – wie wir es sonst erlebt hatten – vor der Dusche oder dem Klohäuschen sitzen und seine Korrespondenz erledigen. Um zwei fuhren Alfons und ich Antonia und Alexander zum Flughafen und verabschiedeten die beiden wieder in den Unialltag. Danach fuhren wir nach Machico, weil Alfons den Mietwagen umtauschen wollte. Die Bremsbeläge sind ziemlich runter. Kein Wunder bei den steilen Straßen hier! Der Autoverleih hatte ab 15.00 Uhr auf und der Umtausch ging zum Glück problemlos, die Autovermieter waren da sehr entspannt. Nächste Station war der Supermarkt, um für die nächsten Tage die Vorräte aufzustocken. Was für ein Luxus, danach mit dem Auto zur Marina und sogar bis direkt vor den Steg fahren zu können, statt schwere Rucksäcke und Sixpacks mit Wasser über weite Strecken zu tragen!
Damit war es schon kurz nach fünf und Alfons sollte ja die kaputte Genua bis spätestens 18.00 Uhr beim Segelmacher vorbeibringen. Ich verstaute schnell die Einkäufe, Alfons und Dieter wuchteten den Segelsack mit dem kaputten Segel aus dem Stauraum im Vorschiff und dann gings gleich wieder los. Um fünf vor sechs erreichten wir den Segelmacher, der versprach, bis spätestens Samstag das Segel zu flicken. Echt klasse! Wir fuhren weiter nach Funchal, wo wir uns mit Maria zum Abendessen verabredet hatten. Sie hatte von ihrer Bekannten Jeannette (die wir auch aus dem Uttinger Segelclub kennen) einen tollen Restaurant-Tipp mitgebracht und wir genossen ein ausgezeichnetes Abendessen im „Tipografia“.
Der heutige Vormittag verging auch mal wieder schnell. Ok, wir frühstücken meistens so gegen 9.00 Uhr, da ist es dann recht schnell Mittag… Dieter musste telefonieren, Alfons machte sich an den Austausch des kaputten Motors für den Autopiloten und musste erst mal die Kabelanschlüsse erneuern. Den neuen Motor habe ich aus Deutschland mitgebracht, der wird dann morgen angeschlossen. Ich spülte ab, saugte Staub und bereitete einen Linsensalat zum Mittagessen vor. Um zwölf fuhr Alfons zum Flughafen, weil Philip heute ankam. Er kann auch noch zwei Wochen mitsegeln, worüber wir uns alle sehr freuen!
Nachmittags gings mit dem Auto bis zum Cabo Girao. Dort gibt es an der Steilküste einen Skywalk (eine Plattform mit Glasboden), 589 m über dem Meer. Da geht´s wirklich ziemlich runter…! Und die Ausblicke sind sehr beeindruckend. Ich entdeckte dann, dass ganz in der Nähe der Startpunkt für eine Wanderung an der Levada de Norte ist. Wir fuhren rüber und wanderten ein Stück die Levada entlang. Levadas sind künstliche Bewässerungkanäle (ähnlich z. B. den Waalen in Südtirol). Die Levadawanderungen zeichnen sich dadurch aus, dass man nur ein ganz leichtes Gefälle hat und immer schön am Kanal entlang laufen kann. Um fünf waren wir zurück auf dem Boot und chillten ein bisschen bzw. schrieben Tagebuch. Um sieben Uhr fuhren wir dann in ein Restaurant, das Dieter Hierner empfohlen hatte, die „Abrigo do pastor“. Das Restaurant liegt weit oben am Berg auf über 1100 m Höhe, zum Glück aber auf einer gut ausgebauten Straße zu erreichen. Das Essen und vor allem die riesigen Fleischspieße war ausgezeichnet. Um halb zwölf waren wir wieder am Boot, wo uns die Schwüle am Wasser, nach der frischen Höhenluft fast umhaute. Heute abend ist es tatsächlich sehr schwül und feucht, sogar im Boot fühlen sich die Bettdecken und -laken ganz klamm an.
Nachher um zwei Uhr nachts kommt noch Wowe, ein weiterer Mitsegler aus Landsberg mit Flugzeug und Taxi zur Marina. Aber bis dahin gehen wir jetzt erst mal ins Bett.





